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Kapitel 6 (c)

6.2 Geschäftsmodelle

Mit der anhaltenden Euphorie der Industrie bezüglich der Vorzüge freier Software sucht man nach geeigneten Methoden, um auf ihr ein florierendes Geschäft aufzubauen. Wie ist es möglich, mit einem freien Gut Geld zu verdienen? Kann ich mit ihr neue Kunden gewinnen und einen neuen Markt erschließen? Wie läßt sie sich in eine vorhandene Produktpalette integrieren?

"The most successful Open Source business will be the ones who can successfully guide technologies that engender the greatest cooperation from the Net community and solve the greatest technical and business challenges of the user community." - Michael Tiemann, Cygnus Solutions

Offensichtlich jedenfalls ist, daß Open Source nicht die schnelle Mark erbringt, sondern vielmehr auf ein mittel- bis langfristiges Geschäft ausgelegt werden muß. Aber auch dann ist immer noch ein Risiko vorhanden, denn der evolvierende Charakter von freier Software führt auch zu einer gewissen Unberechenbarkeit für die Zukunft. Nichtsdestotrotz steckt in freier Software ein immenses Marktpotential, das bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist.

Die Marktpolitik eines Unternehmens ist ein anderer Punkt, der von Open Source beeinflußt werden kann. Zwar konnte Netscape mit der Freigabe des Browsers seine Position nicht stärken, doch lag das nicht am fehlenden Potential der freien Software, sondern vielmehr an anderen, technischen Voraussetzungen. Zweifellos aber kann die Umwandlung von proprietärer Software in Open Source einem mächtigen, konkurrierenden Konzern einige marketingtechnische Angriffspunkte nehmen.

Die im folgenden diskutierten Modelle, die freie Software als direkten oder indirekten Wirtschaftsfaktor beinhalten, sind nicht unbedingt als losgelöste Strategien zu sehen. Die meisten derzeit im Open-Source-Geschäft tätigen Firmen wenden Mischmodelle an, um sich am Markt zu behaupten.

6.2.1 Freie Software als (Teil der) Unternehmensbasis

Dieses erste Modell behandelt den Fall, daß eine Firma freie Software nicht für die Erwirtschaftung eines direkten Gewinns nutzt, sondern sie lediglich als IT-Infrastruktur einsetzt. Freie Web-, E-Mail- und Intranet-Server drücken die Kosten stark und sind somit ein wichtiger Geschäftsfaktor. In vielen Fällen legen sie sogar das Fundament für das ganze Unternehmen. UUNet nutzte die wachsende Beliebtheit des Internet - insbesondere des World Wide Web - in den frühen 90ern zuerst, um einen kommerziellen Zugangsdienst anzubieten. Sie bauten das Geschäft auf freier Software und offenen Standards auf, die dem Internet zugrundeliegen. Nach UUNet schossen zahlreiche solcher Internet Service Provider (ISP) aus dem Boden, mit dem leitenden Gedanken, durch ihre Dienste eine Millionenkundschaft zu erreichen. Auch Herstellern von Netzwerkkomponenten steht diese riesige Kundschaft zur Verfügung. Cisco errichtete auf Basis der freien Protokollfamilie des Internet, TCP/IP, ein blühendes Gewerbe.

Neben den Zugangsanbietern sind es die schnell wachsenden Content-Provider wie Yahoo und Amazon, die freie Software aufgrund ihrer Stabilität, Flexibilität, des nicht vorhandenen Herstellerabhängigkeitsverhältnisses und geringer Kosten bevorzugen. Jedes Unternehmen kann in Ruhe freie Software neben der alltäglichen Arbeit in einer Testumgebung ausprobieren. Benchmarks von unabhängigen Dritten erlauben Vergleiche mit proprietärer Software. Evaluation, Integration und Migration nach Open-Source-Software werden bereits als Dienstleistungen angeboten.

"My advice to companies considering open-source technology is to compare it directly to commercial competitors when evaluating for a specific task. But open-source developers are not as good as their commercial counterparts at describing the features and benefits of their software, so it's worth investing time to discover them." - Brian Behlendorf

Freie Software als Teil der Unternehmensbasis ist als eine Investition zu sehen. Mit zunehmender Nutzung erhöht sich ihr Wert, weil ihr Einsatzgebiet vergrößert wird und Erweiterungen und Anpassungen getätigt werden, um Nischen zu füllen. Wegen der im Verhältnis zur proprietären Software geringeren Total Cost of Ownership (TCO) ist es für freie Software natürlich auch der Kostenfaktor, der hierzulande, aber auch gerade in wirtschaftlich weniger entwickelten Regionen, zählt [43].


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