Kapitel 1 (d)
1.3.3 Open Source
Der Terminus "Open Source" entstand Anfang 1998, um diese
Dispute aus dem Weg zu räumen. Doch man wollte nicht nur einen
Waffenstillstand erreichen, sondern auch Gerüchte und
Mißverständnisse, die um freie Software kursierten,
ausräumen. Die zahlreichen Lizenzen, die zwar die Freiheit der
ihr zugehörigen Software proklamierten, aber an gewissen
Stellen Unterschiede aufwiesen, führten zu Verwirrungen.
Open Source sollte nun Symbol, ein Dach, ein gemeinsamer Nenner
für alles darstellen, was freie Software charakterisiert und
klare, pragmatische Ziele setzen, die auch und gerade für die
Industrie erstrebenswert wären. Dazu brachten Eric Raymond,
Bruce Perens, John "Maddog" Hall, Sam Ockman und andere
Hacker-Kollegen - allesamt begeisterte Anhänger freier
Software - eine Marketingwelle ins Rollen, die zwar mit
bescheidenen Mitteln finanziert wurde, aber großes Aufsehen
erregte. Das auslösende Ereignis war zu dieser Zeit die
Ankündigung des Softwareherstellers Netscape, seine
Internet-Software, den Browser, mitsamt Quellcode frei
verfügbar zu machen.
Wichtigster Grundsatz sind die Richtlinien, die eine
Open-Source-Software kennzeichnen. Der nun folgende Textabschnitt
ist die von Jens D. Baumgartner ins deutsche übersetzte Open
Source Definition [11] samt
Kommentaren.
- Freie Weiterverbreitung
Die Lizenz darf niemanden im Verkauf oder der Weitergabe der
Software als Teil einer aus verschiedenen Quellen zusammengesetzten
Softwaredistribution einschränken. Die Lizenz darf keinerlei
Lizenz- oder andersartige Gebühr verlangen.
Indem wir von der Lizenz verlangen, eine freie
Weiterverbreitung zu ermöglichen, verhindern wir, daß
der Langzeitnutzen zugunsten von Geldmacherei beeinträchtigt
wird. Wenn wir dies nicht täten, würden Mithelfer
genötigt werden, aufzuhören.
- Quellcode
-
Das Programm muß den Quellcode beinhalten und sowohl die
Verbreitung als Quellcode, als auch in kompilierter Form gestatten.
Wird ein Teil des Produkts nicht mit Quellcode verbreitet, so
muß auf eine Möglichkeit, den Quellcode
gebührenfrei aus dem Internet downzuloaden, ausdrücklich
hingewiesen werden. Ein Programmierer soll den Quellcode
verändern können. Absichtlich verwirrend geschriebener
Quellcode ist nicht erlaubt. Ebenso sind Zwischenformen wie die
Ausgabe eines Präprozessors oder eines Übersetzers
verboten.
Wir verlangen Zugriff auf verständlichen Quellcode, weil
man Programme nicht weiterentwickeln kann, ohne sie zu
verändern. Da wir die Entwicklung einfach machen wollen,
müssen wir auch verlangen, daß die Veränderung des
Codes einfach ist.
- Auf dem Programm basierende Werke
-
Die Lizenz muß die Veränderung des Programms, auf dem
Programm basierende Werke, sowie deren Verbreitung unter den
gleichen Lizenzbedingungen gestatten.
Allein nur die Möglichkeit zu haben, den Quellcode zu
lesen, reicht nicht aus, um unabhängige Prüfung und
evolutionsähnliche Auslese zu erreichen. Damit eine schnelle
Entwicklung möglich ist, muß man mit der Software
experimentieren können und Veränderung weiterverbreiten
dürfen.
- Die Unversehrtheit des Originalcodes
-
Die Lizenz darf die Verbreitung von modifiziertem Quellcode nur
dann einschränken, wenn sie die Verbreitung von sogenannten
"Patchdateien" in Verbindung mit dem Originalcode gestattet, damit
das Programm vor der Benutzung verändert werden kann. Die
Lizenz muß ausdrücklich die Verbreitung von Software
erlauben, die mit verändertem Quellcode erstellt wurde. Die
Lizenz darf allerdings von auf dem Programm basierenden Werken
verlangen, einen von der Originalsoftware unterschiedlichen Namen
oder eine andere Versionsnummer zu tragen.
Es ist eine gute Sache, Verbesserungen zu unterstützen,
aber die Benutzer der Software haben ein Recht darauf, zu wissen,
wer für das Produkt verantwortlich ist. Andererseits haben die
Autoren und deren Unterstützer das Recht zu wissen, welche
Software sie überhaupt unterstützen sollen, und sie haben
das Recht ihren guten Ruf zu schützen.
Folglich muß eine Open-Source-Lizenz garantieren,
daß der Quellcode frei verfügbar ist, kann aber
gleichzeitig verlangen, daß der Quellcode in der
ursprünglichen Fassung zusammen mit Patches verbreitet wird.
Dadurch können inoffizielle Änderungen verfügbar
gemacht werden und gleichzeitig vom Originalcode unterschieden
werden.
- Keine Diskriminierung von einzelnen Personen oder
Gruppen
-
Die Lizenz darf keinerlei Personen oder Personengruppen
diskriminieren.
Um das Maximum aus diesem Verfahren herauszuholen,
müssen möglichst viele verschiedene Personen das gleiche
Recht haben, Open-Source-Software zu unterstützen. Deswegen
verbieten wir jeder Open-Source-Lizenz, jemanden aus dem Verfahren
auszuschließen.
- Keine Einschränkungen für bestimmte
Anwendungsbereiche
-
Die Lizenz darf niemanden in der Benutzung des Programms in
einem bestimmten Einsatzgebiet einschränken. Sie darf
beispielsweise nicht die kommerzielle Nutzung oder die Benutzung in
der Genforschung verbieten.
Der Hauptsinn dieses Paragraphs ist es, zu verhindern,
daß irgendwelche Klauseln einer Lizenz die kommerzielle
Nutzung des Programms verbieten. Wir wollen, daß auch
Benutzer des kommerziellen Bereichs zu unserer Gemeinschaft
gehören und sich nicht ausgeschlossen fühlen.
- Verbreitung der Lizenz
-
Die zum Programm gehörigen Rechte müssen für
jeden gelten, der das Programm erhalten hat, ohne daß eine
weitere Lizenz beachtet werden muß.
Dieser Paragraph soll verhindern, daß durch indirekte
Mittel, wie das Verlangen eines Einverständnisses, die
Software nicht offen weiterzugeben, das Programm nicht wirklich
frei ist.
- Die Lizenz darf nicht für ein bestimmtes Produkt
gelten
-
Die zum Programm gehörigen Rechte dürfen nicht davon
abhängen, daß das Programmteil einer bestimmten
Softwaredistribution ist. Wird das Programm außerhalb einer
solchen Distribution genutzt oder verbreitet, so gelten für
den Benutzer dieselben Rechte, die in der Originaldistribution
gewährt werden.
Dieser Paragraph beugt einer anderen Art Lizenzfalle
vor.
- Die Lizenz darf andere Software nicht
beeinträchtigen
-
Die Lizenz darf keine andere Software einschränken, die
zusammen mit der lizensierten Software verbreitet wird. Die Lizenz
darf beispielsweise nicht verlangen, daß jegliche Software,
die auf dem selben Datenträger verbreitet wird,
Open-Source-Software sein muß.
Jeder, der Open-Source-Software benutzen oder
weiterverbreiten möchte, hat das Recht sich selbst seine
eigene Software auszusuchen.
Schon nach kurzer Zeit konnte Open Source die ersten Erfolge
verbuchen. Die Popularität von Linux - der
Open-Source-Software schlechthin - bewog Firmen, das offene
Entwicklungsmodell von freier Software zu untersuchen. IBM, Sybase,
Informix, Sun und viele weitere bekannte Soft- und
Hardwarehersteller entwickelten Produkte für Linux oder
schufen Programme, die Lizenzen unterlagen, die der Open Source
Definition genügten.
Heute ist Open Source ein anerkannter und oft benutzter Begriff,
der für (fast immer) kostenlose, qualitativ hochwertige, frei
verfügbare, modifizierbare und weiterverbreitbare Software
steht. In diesem Tutorial wird im folgenden Open Source und freie
Software als gleichbedeutend behandelt.
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